Corporate Design rein, Website raus: Wie aus einem CD ein Web-Design-System wird
4,5:1Mindestkontrast für normalen Text. Markenfarben sind davon nicht ausgenommen, nur Logos (WCAG 1.4.3) [1]
Ein Corporate Design regelt Logo, Farben und Schrift für Print. Eine Website braucht mehr: Farben als Tokens, Schriftgrößen für jede Breite, Abstände, Komponenten und Kontraste, die von Anfang an passen.
Was aus dem Corporate Design wird
Die kurze Antwort: Aus dem Corporate Design Ihres Kunden machen wir ein Regelwerk für den Bildschirm. Farben werden zu benannten Werten, Schriften zu einer Größenskala, Abstände zu einem Raster, wiederkehrende Elemente zu Bausteinen. Jede Seite der Website greift auf dieselben Regeln zu. Ändert sich später ein Wert, ändert er sich überall.
So ist es uns am liebsten: Sie bringen das Corporate Design und die Inhalte Ihres Kunden, wir gestalten, bauen und liefern. Ein CD-Handbuch ist dafür ein guter Anfang, aber kein fertiges Web-Design. Es ist meist für Briefpapier, Anzeigen und Messestand geschrieben: feste Formate, CMYK-Werte, eine Schrift in drei Größen. Eine Website hat kein festes Format. Sie läuft auf dem Telefon und auf dem 27-Zoll-Monitor, im hellen und im dunklen Modus, mit vergrößerter Schrift und mit Tastatur statt Maus. Diese Lücken füllen wir, ohne das CD zu verbiegen.
Print-CD und Web-System im Vergleich
| Kriterium | Typisches CD-Handbuch | Web-Design-System |
|---|---|---|
| Farben | CMYK, Pantone, ein RGB-Wert | Benannte Tokens mit Rollen: Text, Fläche, Akzent, Fehler, Fokus; jeweils für hell und dunkel |
| Kontrast | selten geregelt | Jedes Farbpaar geprüft: 4,5:1 für Text, 3:1 für Bedienelemente und Grafiken |
| Typografie | Schriftfamilie, wenige feste Größen | Größenskala, die mit der Bildschirmbreite mitwächst, Zeilenhöhe, Zeilenlänge, Webfont-Lizenz |
| Abstände | Satzspiegel, Randabstände in mm | Abstandsskala in wenigen Stufen, für alle Bausteine gleich |
| Elemente | Logo, Visitenkarte, Anzeige | Buttons, Formulare, Karten, Navigation, Dialoge, jeweils mit Zuständen |
| Zustände | nicht vorhanden | Hover, Fokus, aktiv, deaktiviert, Fehler |
| Pflege | PDF, neue Version alle paar Jahre | Zentral im Code, Änderungen wirken sofort auf allen Seiten |
Das CD bleibt die Grundlage. Das Web-System ergänzt, was der Bildschirm zusätzlich verlangt.
Farben als Tokens, nicht als Hex-Werte im Layout
Ein Token ist ein benannter Wert: nicht „#2B4BFF“, sondern „Akzent“, nicht „#EDEDEB“, sondern „Grund“. Das klingt nach Formalie, entscheidet aber über die Pflege. Wer einen Wert direkt in hundert Bausteine schreibt, muss bei einer Änderung hundert Stellen finden. Wer ein Token verwendet, ändert eine Zeile. Für Dark Mode bekommt jedes Farb-Token einen zweiten Wert, die Bausteine bleiben gleich.
Für den Austausch solcher Werte gibt es inzwischen einen gemeinsamen Standard: Die Design Tokens Community Group beim W3C hat am 28. Oktober 2025 die erste stabile Fassung ihrer Spezifikation veröffentlicht, mit Unterstützung für Themes wie hell und dunkel und für moderne Farbräume [3]. Laut der Gruppe unterstützen über zehn Werkzeuge und Projekte den Standard oder arbeiten daran, darunter Figma, Penpot und Sketch [3]. Für Sie heißt das: Die Werte aus dem Design können ohne Abtippen in den Code wandern.
Wichtiger als das Format ist die Rolle. Die Markenfarbe eignet sich oft hervorragend für Flächen und große Überschriften, aber nicht für Fließtext oder Links auf hellem Grund. Das W3C stellt klar, dass Text, dem wegen Corporate Identity oder Markenrichtlinien der Kontrast fehlt, nicht ausgenommen ist; frei sind nur Logos und Wortmarken [1]. Wir legen deshalb pro Farbe fest, wofür sie verwendet werden darf, und ergänzen bei Bedarf eine dunklere Variante für Text. Wie Sie Paare selbst messen, zeigt der Artikel Kontrast, Farben, Schrift.
In fünf Schritten vom CD zum System
CD sichten · Tag 1
Wir lesen Handbuch, Logo-Dateien, Schriftlizenz und vorhandene Medien. Offene Fragen sammeln wir in einer Liste an Sie, nicht in zehn einzelnen Mails.
Farben prüfen und benennen · 1 Tag
Jede CD-Farbe bekommt eine Rolle und wird gegen Grund und Text gemessen: 4,5:1 für normalen Text, 3:1 für große Schrift, Bedienelemente und Grafiken [1][2]. Wo es nicht reicht, schlagen wir eine Variante vor.
Typografie und Abstände festlegen · 1 Tag
Größenskala, Zeilenhöhe und Zeilenlänge für Fließtext, Überschriften und Kleingedrucktes. Dazu eine Abstandsskala in wenigen Stufen, damit alle Bausteine im selben Takt stehen. Beides wächst fließend mit der Bildschirmbreite, statt für jeden Breakpoint neu festgelegt zu werden.
Bausteine gestalten · Woche 1
Buttons, Formulare, Karten, Navigation und Bildformate, jeweils mit Hover-, Fokus- und Fehlerzustand. Gestaltet wird am echten Inhalt Ihres Kunden, nicht an Blindtext.
Freigeben und bauen · Woche 2–3
Nach Ihrer Freigabe wird das System zur Grundlage der Umsetzung. Jede neue Seite entsteht aus denselben Bausteinen.
Die Zahlen, die ein Design-System einhalten muss
Bausteine statt Einzelseiten
Eine Website besteht nicht aus zwölf individuell gestalteten Seiten, sondern in der Regel aus zwanzig bis dreißig Bausteinen, die sich immer neu kombinieren. Das spart beim Bau Zeit und macht die Website pflegbar: Ihr Kunde legt später eine neue Seite an und wählt aus fertigen Abschnitten, statt etwas zu bauen, das nicht mehr zum Rest passt.
Dabei gestalten wir von Anfang an mit, was ein Print-CD nie braucht. Das W3C nennt als Grundlagen unter anderem ausreichenden Kontrast, Information nicht allein über Farbe, klar erkennbare Bedienelemente, Formularfelder mit klar zugeordneter Beschriftung und Entwürfe für verschiedene Bildschirmgrößen [5]. Jedes dieser Themen ist billig, wenn es im System steckt, und teuer, wenn es nach dem Livegang nachgerüstet wird. Barrierefreiheit kommt so nicht als Extra obendrauf, sondern ist eine Eigenschaft der Bausteine.
Auf Wunsch bekommen Sie am Ende eine kurze Übersicht des Systems: Farben mit Rollen, erlaubte Farbpaare, Schriftgrößen, Abstände, Bausteine. Für Ihre Agentur ist das die Grundlage für Social-Media-Vorlagen oder Präsentationen im selben Look. Für Ihren Kunden ist es die Antwort auf die Frage, warum der Button nicht in Hellgrün sein kann.
Beyond logos and logotypes, text that has insufficient contrast due to corporate identity or brand guidelines is not exempted from the requirements of this criterion.
ÜbersetzungÜber Logos und Wortmarken hinaus ist Text, dem wegen Corporate Identity oder Markenrichtlinien der Kontrast fehlt, von den Anforderungen dieses Kriteriums nicht ausgenommen.
Fragen zum Design-System
Was brauchen Sie vom Corporate Design unseres Kunden?
Das CD-Handbuch, das Logo als Vektordatei, die Hausschrift mit Lizenzangaben und vorhandene Fotos. Mehr nicht: Was für das Web fehlt, etwa Farbrollen, Zustände von Buttons oder Größen für kleine Bildschirme, ergänzen wir im Stil des CD. Offene Fragen bekommen Sie gesammelt in einer Liste, nicht in zehn einzelnen Mails.
Was ist ein Design-Token?
Ein benannter Wert für Farbe, Schriftgröße oder Abstand, etwa „Akzent“ statt eines Hex-Codes. Alle Bausteine der Website verwenden diesen Namen, deshalb ändert eine einzige Zeile den Wert auf allen Seiten. Für Dark Mode bekommt jedes Farb-Token einen zweiten Wert. Seit Oktober 2025 gibt es dafür eine stabile, werkzeugübergreifende Spezifikation der Design Tokens Community Group beim W3C.
Was tun, wenn die Markenfarbe zu wenig Kontrast hat?
Wir behalten sie für Flächen, große Überschriften und Akzente und ergänzen für Text und Links eine dunklere Variante. Das W3C nimmt nur Logos und Wortmarken von der Kontrastregel aus, Markenrichtlinien nicht. Welche Farbpaare erlaubt sind, steht danach im Design-System, damit niemand bei jedem Layout neu diskutieren muss.
Bekommen wir das Design-System zur weiteren Nutzung?
Ja, auf Wunsch bekommen Sie eine kurze Übersicht mit Farben und ihren Rollen, erlaubten Farbpaaren, Schriftgrößen, Abständen und Bausteinen. Damit kann Ihre Agentur Präsentationen, Social-Media-Vorlagen oder Anzeigen im selben Look gestalten. Im Code ist das System ohnehin die Grundlage jeder Seite.
Lässt sich das Design-System später erweitern?
Ja, dafür ist es gebaut. Neue Seiten entstehen aus den vorhandenen Bausteinen, neue Bausteine folgen denselben Farben, Schriften und Abständen. Kommt etwa eine Sprache, ein Shop oder ein Kampagnenbereich dazu, muss in der Regel nichts neu gestaltet werden, was schon steht.
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Quellen
- W3C, Understanding Success Criterion 1.4.3: Contrast (Minimum), WCAG 2.2 · abgerufen am 28.10.2026
- W3C, Understanding Success Criterion 1.4.11: Non-text Contrast, WCAG 2.2 · abgerufen am 28.10.2026
- W3C Design Tokens Community Group, Design Tokens specification reaches first stable version (28.10.2025) · abgerufen am 28.10.2026
- W3C, Understanding Success Criterion 1.4.12: Text Spacing, WCAG 2.2 · abgerufen am 28.10.2026
- W3C WAI, Designing for Web Accessibility: Tips for Getting Started · abgerufen am 28.10.2026
Recherchiert mit KI-Unterstützung, mit Quellen belegt und inhaltlich geprüft von Mike Joerihsen am .
Diese Inhalte sind eine Orientierung und keine Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen zu Ihrer Situation wenden Sie sich an eine Rechtsberatung oder die zuständige Behörde.