Typografie im Web: Lizenzen, Laden, Lesbarkeit

Die Schrift aus dem Corporate Design kommt meist mit ins Web, braucht dort aber eine Webfont-Lizenz, ein sauberes Laden vom eigenen Server und Regeln für Größe, Zeilenlänge und Kontrast.

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Was Schrift im Web braucht

Die kurze Antwort: drei Dinge, die im Print-CD selten stehen. Eine Lizenz, die den Einsatz auf einer Website erlaubt. Ein Laden, das schnell ist und keine Besucherdaten an Dritte schickt. Und Regeln für Größe, Zeilenlänge, Zeilenabstand und Kontrast, damit der Text auf jedem Bildschirm lesbar bleibt.

Wenn Sie uns das Corporate Design Ihres Kunden schicken, klären wir alle drei, bevor wir gestalten. Meistens kommt die Hausschrift mit ins Web. Manchmal ist eine Systemschrift oder eine Schrift mit offener Lizenz die bessere Wahl, etwa wenn die Webfont-Lizenz teuer ist oder die Hausschrift für lange Texte am Bildschirm schlecht funktioniert. Diese Website zum Beispiel nutzt Avenir, wo sie auf dem Gerät vorhanden ist, und lädt sonst Nunito Sans vom eigenen Server, ohne externe Dienste.

Systemschrift oder Webfont

KriteriumSystemschriftWebfont, selbst gehostetWebfont von fremdem Server
Ladezeitkeine, die Schrift ist schon daeine bis drei Dateien vom eigenen Serverzusätzliche Verbindung zu einem Drittanbieter
Aussehenje nach Gerät verschiedenüberall gleichüberall gleich
MarkenwirkungneutralHausschrift möglichHausschrift möglich
Lizenzkeine nötigWebfont-Lizenz oder offene Lizenzlaut Bedingungen des Anbieters
Datenschutzunkritischunkritisch, keine Daten an DritteIP-Adresse geht an den Anbieter, rechtlich riskant
Unser Einsatzfür Oberflächen und als RückfallStandardin der Regel nicht

Wir binden Schriften in der Regel nicht von fremden Servern ein. Der Mehraufwand für das Selbst-Hosting ist klein, das Risiko nicht.

Lizenz und Datenschutz

Lizenz. Eine Schrift, die Ihr Kunde für Drucksachen gekauft hat, darf er nicht automatisch auf seiner Website einsetzen. Desktop- und Web-Lizenzen sind bei vielen Schriftanbietern getrennte Produkte; Monotype etwa beantwortet die Frage, ob eine Desktop-Lizenz für die Website reicht, mit einem klaren Nein [8]. Die Lizenz für die Hausschrift liegt bei Ihrem Kunden; wir prüfen vor dem Bau, ob sie das Web abdeckt, und sagen Ihnen, was fehlt. Eine Alternative sind Schriften unter der SIL Open Font License, derzeit in Version 1.1: Sie dürfen auf Websites verwendet, verändert und weitergegeben werden, ein Hinweis auf die Herkunft ist nicht nötig [7]. Bei manchen Schriften ist für eine veränderte Fassung ein neuer Name vorgeschrieben [7].

Zu unseren eigenen Werkzeugen gilt: Die Lizenzen für unsere Basis-Werkzeuge sind in der Wartung enthalten, ohne Wartung bis zum Launch; auf Wunsch bauen wir auch Lizenzen Ihres Kunden oder Ihrer Agentur ein. Die Statamic-Pro-Lizenz läuft auf Ihren Kunden und wird separat verrechnet. Schriftlizenzen aus dem Corporate Design Ihres Kunden sind davon unberührt.

Datenschutz. Das Landgericht München I hat am 20. Januar 2022 entschieden (3 O 17493/20), dass ein Websitebetreiber das Persönlichkeitsrecht eines Besuchers verletzt, wenn er dessen dynamische IP-Adresse beim Aufruf der Seite ohne Zustimmung an Google weitergibt, weil die Schrift von Google-Servern geladen wird [1]. Das Gericht verurteilte den Betreiber zur Unterlassung und zu 100 € Schadenersatz [1]. Einen Rechtfertigungsgrund sah es nicht, weil sich Google Fonts auch nutzen lassen, ohne dass beim Aufruf eine Verbindung zu einem Google-Server entsteht [1]. Das ist ein Einzelurteil eines deutschen Landgerichts. Für uns ist es Grund genug, Schriften in der Regel vom eigenen Server zu laden. Orientierung, keine Rechtsberatung.

Zahlen zu Schrift im Web

100 €Schadenersatz im Google-Fonts-Urteil des LG München I, dazu Unterlassung. [1]
30 %bessere Kompression des Formats WOFF2 gegenüber WOFF, laut web.dev. [2]
80 Zeichenhöchste Zeilenbreite für Textblöcke nach WCAG-Stufe AAA. [4]
1,5-fachZeilenhöhe muss möglich sein, ohne dass Inhalt verloren geht (Stufe AA). [5]

Schnell laden, ohne dass die Seite springt

Selbst gehostet heißt nicht automatisch schneller. web.dev hält fest, dass das Selbst-Hosting auf dem Papier eine Verbindung zu einem Drittanbieter spart, der Unterschied in der Praxis aber weniger eindeutig ist [2]. Unser Grund für das Selbst-Hosting ist der Datenschutz; das Tempo holen wir über andere Stellschrauben.

Als Format verwenden wir WOFF2. Es ist das neueste, von Browsern am breitesten unterstützte Format und komprimiert laut web.dev rund 30 % besser als WOFF [2]. Wir laden nur die Schnitte, die das Design wirklich braucht, meist zwei bis drei, und nur die Zeichen, die die Sprachen der Website verwenden; über unicode-range lädt der Browser eine Datei nur, wenn die Seite passende Zeichen enthält [2].

Für das Verhalten beim Laden gibt es zwei Wege. Mit font-display: optional wird Text höchstens 100 Millisekunden zurückgehalten und es gibt keinen Sprung durch den Schriftwechsel, dafür bleibt die Webfont weg, wenn sie zu spät kommt [2]. Mit font-display: swap erscheint Text sofort in einer Ersatzschrift, die Webfont übernimmt danach; kommt sie spät, springt die Seite sichtbar [2]. Wir wählen je nach Projekt und gleichen die Ersatzschrift in Größe und Laufweite an, damit der Wechsel kaum auffällt.

So kommt die Hausschrift ins Web

  1. Lizenz klären · Tag 1

    Deckt die Lizenz Ihres Kunden das Web ab? Wenn nicht: Web-Lizenz ergänzen, offene Alternative wählen oder Systemschrift verwenden.

  2. Schnitte auswählen · 1 Tag

    Nur die Gewichte und Stile, die das Design braucht. Jeder Schnitt ist eine weitere Datei.

  3. Dateien vorbereiten · 1 Tag

    WOFF2, auf die Zeichen der Website-Sprachen reduziert, auf dem eigenen Server abgelegt [2].

  4. Typografie-Skala festlegen · Woche 1

    Größen für Fließtext, Überschriften und Kleingedrucktes, die mit der Bildschirmbreite mitwachsen, mit Zeilenhöhe und Zeilenlänge.

  5. Prüfen · vor dem Livegang

    Kontrast, vergrößerte Schrift, erhöhte Abstände und Ladeverhalten auf echten Geräten.

Lesbarkeit: Größe, Zeilen, Kontrast

Für Fließtext wählen wir in der Praxis 16 bis 20 Pixel, abhängig von Schrift und Zielgruppe. Systemschriften für Oberflächen eignen sich laut MDN nicht für lange Textabsätze; für Fließtext empfiehlt MDN eine Schrift, die nicht für Bedienoberflächen gedacht ist [3].

Die Zeilenlänge halten wir bei höchstens 80 Zeichen. Das ist die Grenze, die das W3C auf der höchsten Stufe AAA nennt, zusammen mit einem Zeilenabstand von mindestens dem 1,5-Fachen und Text, der nicht im Blocksatz steht [4]. Pflicht auf Stufe AA ist, dass nichts verloren geht, wenn Nutzerinnen und Nutzer Zeilenhöhe, Absatzabstand, Buchstaben- und Wortabstand selbst erhöhen [5]. Wer Textfelder auf eine feste Höhe gestaltet, verletzt das schnell.

Beim Kontrast gilt 4,5:1 für normalen Text und 3:1 für große Schrift; als groß gelten 18 Punkt oder 14 Punkt fett, im Browser etwa 24 und 18,5 Pixel [6]. Dünne Schnitte wirken in Gestaltungsprogrammen elegant und verlieren am Bildschirm schnell an Kontrast. Mehr dazu, mit einem Prüfer zum Selbermessen, im Artikel Kontrast, Farben, Schrift.

Fragen zu Schrift im Web

Dürfen wir Schriften von Google Fonts verwenden?

Die Schriften ja, das Einbinden von Googles Servern besser nicht. Das LG München I hat 2022 entschieden, dass die Weitergabe der IP-Adresse an Google beim Laden der Schrift ohne Zustimmung das Persönlichkeitsrecht verletzt, und 100 € Schadenersatz zugesprochen. Wir laden Schriften deshalb in der Regel vom eigenen Server. Orientierung, keine Rechtsberatung.

Brauchen wir für die Hausschrift eine eigene Webfont-Lizenz?

Meistens ja, denn eine Desktop-Lizenz für Drucksachen deckt die Website in der Regel nicht ab. Die Lizenz für die Hausschrift liegt bei Ihrem Kunden; wir prüfen vor dem Bau, ob sie reicht. Alternativen sind Schriften mit offener Lizenz oder eine Systemschrift.

Wie viele Schriftschnitte sollte eine Website laden?

So wenige wie möglich, meist zwei bis drei, etwa normal, fett und eine Überschriftenstärke. Jeder Schnitt ist eine weitere Datei, die geladen werden muss. Wir reduzieren die Dateien außerdem in der Regel auf die Zeichen, die die Sprachen der Website brauchen.

Ist eine Systemschrift eine Option für die Website?

Für Bedienelemente und als Rückfall ja, sie lädt ohne Wartezeit. Für lange Texte rät MDN von der Oberflächenschrift system-ui ab, weil sie für Bedienoberflächen gedacht ist und je nach Gerät schlecht wirken kann. Für Fließtext wählen wir deshalb eine Lese-Schrift.

Wie groß sollte Fließtext auf einer Website sein?

In unserer Praxis 16 bis 20 Pixel, je nach Schrift und Zielgruppe. Wichtiger als die genaue Zahl sind eine Zeilenlänge von höchstens 80 Zeichen, ein Zeilenabstand um das 1,5-Fache und ein Kontrast von mindestens 4,5:1. Und die Seite muss funktionieren, wenn Besucher Schrift und Abstände selbst vergrößern.

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Quellen

  1. Bayern.Recht, LG München I, Endurteil vom 20.01.2022, 3 O 17493/20 (Google Fonts) · abgerufen am 28.10.2026
  2. web.dev, Best practices for fonts · abgerufen am 28.10.2026
  3. MDN Web Docs, font-family (generische Familie system-ui) · abgerufen am 28.10.2026
  4. W3C, Understanding Success Criterion 1.4.8: Visual Presentation, WCAG 2.2 · abgerufen am 28.10.2026
  5. W3C, Understanding Success Criterion 1.4.12: Text Spacing, WCAG 2.2 · abgerufen am 28.10.2026
  6. W3C, Understanding Success Criterion 1.4.3: Contrast (Minimum), WCAG 2.2 · abgerufen am 28.10.2026
  7. SIL, Open Font License (OFL) 1.1 · abgerufen am 28.10.2026
  8. Monotype, Font licensing explained for designers and brands (FAQ) · abgerufen am 28.10.2026

Recherchiert mit KI-Unterstützung, mit Quellen belegt und inhaltlich geprüft von Mike Joerihsen am .

Diese Inhalte sind eine Orientierung und keine Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen zu Ihrer Situation wenden Sie sich an eine Rechtsberatung oder die zuständige Behörde.

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