Checkliste barrierefreie Website: 25 Punkte zum Abhaken

25 Punkte in fünf Gruppen decken die Fehler ab, die auf fast allen Startseiten vorkommen. Haken Sie ab, drucken Sie die Liste und nehmen Sie sie in jedes Projekt mit.

7 Min. Lesezeit · Stand

Wozu eine Checkliste, wenn es die WCAG gibt

Die kurze Antwort: Die WCAG sind der Maßstab, diese Liste ist der Arbeitsweg. WCAG 2.2 umfasst vier Prinzipien, 13 Richtlinien und 86 Erfolgskriterien, davon 55 auf den Stufen A und AA [7]; niemand hält das im Kopf, während er ein Kundenprojekt abnimmt. Die 25 Punkte unten übersetzen die Kriterien, die in der Praxis am häufigsten verletzt werden, in Fragen, die Sie an jede Seite stellen können. Jeder Punkt nennt in Klammern die Nummer des Erfolgskriteriums aus WCAG 2.2, damit Sie ihn in jedem Prüfbericht wiederfinden [2][3][6][7]. Dieser Artikel ist eine Orientierung, keine Rechtsberatung.

Warum gerade diese Punkte: WebAIM untersucht jedes Jahr die Startseiten der eine Million meistbesuchten Websites automatisch. Im Februar 2026 hatten 95,9 % davon erkennbare WCAG-2-Fehler, im Schnitt 56,1 je Seite [1]. Die Fehler konzentrieren sich auf wenige Typen: zu geringer Kontrast auf 83,9 % der Seiten, fehlende Alternativtexte für Bilder auf 53,1 %, Formularfelder ohne Beschriftung auf 51 %, leere Links auf 46,3 %, leere Buttons auf 30,6 %, fehlende Sprachangabe auf 13,5 % [1]. Die Liste beginnt deshalb mit dem, was messbar am meisten schiefgeht, und ergänzt die Punkte, die kein Werkzeug findet, etwa die Tastaturbedienung eines Dialogs.

Zur Einordnung: WebAIM misst nur, was automatisch erkennbar ist, und schreibt selbst: „not all conformance failures can be automatically detected“ [1]. Die tatsächlichen Zahlen liegen also höher. Eine Website, die alle 25 Punkte besteht, ist deshalb nicht automatisch konform, aber sie hat die Fehler hinter sich, die fast alle anderen Seiten noch haben.

Was auf Startseiten schiefgeht

95,9 %der untersuchten Startseiten hatten im Februar 2026 automatisch erkennbare WCAG-2-Fehler. [1]
56,1Fehler je Startseite im Durchschnitt; die Kategorie Shopping liegt mit 71,0 deutlich darüber. [1]
83,9 %der Startseiten enthielten Text mit zu geringem Kontrast, der häufigste Fehlertyp. [1]
51 %der Startseiten hatten Formularfelder ohne Beschriftung. [1]

Die 25 Punkte

0 von 25 erledigt

Struktur
Bedienung
Inhalte
Formulare
Medien und Dokumente

Was die Liste nicht ersetzt

Menschen statt Haken. Die Prüfmethodik des W3C, WCAG-EM, empfiehlt ausdrücklich, Menschen mit Behinderungen in die Evaluation einzubeziehen [4]. Ein Screenreader-Durchlauf durch Bestellung oder Buchung findet Fehler, die kein Haken abbildet, etwa eine Lesereihenfolge, die technisch korrekt und trotzdem unverständlich ist. Die Liste sagt Ihnen, ob ein Label da ist; ob es das richtige Wort enthält, merkt erst, wer die Seite nur hört.

Die Information über die Konformität. Das BaFG verlangt, dass Sie veröffentlichen, wie Ihre Dienstleistung die Anforderungen erfüllt, und diese Information während des gesamten Angebots aufbewahren (§ 14 Abs. 2) [5]. Eine abgehakte Liste ist dafür eine gute Grundlage, aber kein Ersatz. Was hineingehört, steht im Artikel zur Barrierefreiheitserklärung.

Die Pflege. Dienstleistungserbringer müssen durch geeignete Verfahren dafür sorgen, dass die Anforderungen dauerhaft eingehalten werden und Änderungen berücksichtigt sind (§ 14 Abs. 3) [5]. Jede neue Landingpage, jedes Update des Baukastens und jeder Redakteur, der ein Bild ohne Alt-Text hochlädt, kann einen abgehakten Punkt wieder öffnen. Deshalb ist die Liste ein Werkzeug für den Alltag und kein Ersatz für eine Prüfung mit Bericht. Wie die aussieht, steht im Artikel zur Prüfung und zum Audit; die häufigsten Fehler im Detail finden Sie unter Die zwölf häufigsten Fehler.

Addressing just these few types of issues would significantly improve accessibility across the web.

ÜbersetzungSchon die Behebung dieser wenigen Fehlertypen würde die Barrierefreiheit im gesamten Web deutlich verbessern.

WebAIM, The WebAIM Million 2026 [1]

So nutzen Sie die Liste im Projekt

  1. Kickoff · Tag 1

    Gehen Sie die Liste mit dem Kunden durch, bevor es ein Layout gibt. Klären Sie dabei, wer Alternativtexte schreibt, wer Untertitel liefert und ob PDFs überhaupt nötig sind.

  2. Design-Review · vor der Freigabe

    Prüfen Sie im Entwurf Kontraste, Schriftgrößen, Zielgrößen, Fokuszustände und Fehlermeldungen [2][3]. Was hier festgelegt wird, muss später nicht umgebaut werden.

  3. Entwicklungs-Review · je Sprint

    Tastaturdurchlauf, Landmarken, Formulare, Dialoge. Ein automatischer Test pro Deployment fängt die messbaren Fehler ab [1]; der Rest braucht zehn Minuten mit der Tastatur.

  4. Redaktionsschulung · 1 Stunde

    Zeigen Sie dem Redaktionsteam die fünf Punkte, die es selbst in der Hand hat: Alternativtexte, Überschriftenebenen, Linktexte, Untertitel, PDFs. Die meisten Rückfälle entstehen nach dem Livegang.

  5. Abnahme mit Protokoll · vor Livegang

    Haken Sie die Liste gemeinsam ab, drucken Sie sie als PDF und legen Sie sie zum Projekt. Das Protokoll ist zugleich die Grundlage für die Information über die Konformität [5].

  6. Jahrescheck · jährlich

    Einmal im Jahr und nach jedem größeren Umbau noch einmal von vorn. Das erfüllt die Pflicht zur laufenden Sicherstellung aus § 14 Abs. 3 BaFG [5] und hält den Bericht aktuell.

Fragen zur Checkliste

Reicht die Checkliste, um das Gesetz zu erfüllen?

Nein, sie ist der Arbeitsweg, nicht der Nachweis. Die 25 Punkte decken die Kriterien ab, die laut WebAIM auf fast allen Startseiten verletzt werden, aber WCAG 2.2 AA umfasst mehr, und das Gesetz verlangt zusätzlich eine Information über die Konformität und laufende Pflege (§ 14 BaFG). Für den Nachweis brauchen Sie eine Prüfung mit Bericht, die alle Kriterien und die wichtigsten Abläufe mit Tastatur und Screenreader abdeckt. Orientierung, keine Rechtsberatung.

Wie lange dauert ein Check mit der Liste?

Für eine typische Unternehmenswebsite rechnen Sie mit zwei bis vier Stunden, wenn Sie Startseite, eine Inhaltsseite, ein Formular und den Kauf- oder Buchungsweg prüfen. Automatische Werkzeuge liefern Kontraste, Alternativtexte und Labels in Minuten; die Tastatur- und Dialogpunkte brauchen Handarbeit. Ein vollständiges Audit nach WCAG-EM dauert deutlich länger, weil es eine repräsentative Stichprobe aller Seitentypen prüft.

Kann ich die Liste für Kundenprojekte verwenden?

Ja, dafür ist sie gemacht. Drucken Sie sie als PDF, legen Sie sie zu jedem Projekt und haken Sie sie bei Design-Review, Entwicklung und Abnahme ab. Die Haken werden in Ihrem Browser gespeichert, es werden keine Daten übertragen. Wenn Sie die Liste in Ihrem eigenen Branding brauchen oder einen Prüfbericht für den Kunden, übernehmen wir das white-label.

Was kann ein automatischer Test nicht finden?

Alles, was eine Bewertung braucht: ob ein Alternativtext das Bild sinnvoll beschreibt, ob die Tastaturreihenfolge logisch ist, ob ein Dialog den Fokus zurückgibt, ob eine Fehlermeldung verständlich ist, ob Untertitel stimmen. WebAIM schreibt selbst, dass nicht alle Konformitätsfehler automatisch erkennbar sind. Automatische Tests sind gut für Kontraste, fehlende Labels und leere Links; der Rest braucht Tastatur, Screenreader und im Idealfall Menschen, die auf diese Hilfsmittel angewiesen sind.

Wie oft sollte ich die Liste durchgehen?

Bei jeder Abnahme, nach jedem größeren Umbau und mindestens einmal im Jahr. Das BaFG verlangt Verfahren, die die Barrierefreiheit dauerhaft sicherstellen und Änderungen berücksichtigen (§ 14 Abs. 3). Die meisten Rückfälle entstehen im Alltag durch neue Inhalte: Bilder ohne Alternativtext, übersprungene Überschriftenebenen, neue PDFs. Eine kurze Redaktionsschulung spart hier mehr als jeder Jahrescheck. Orientierung, keine Rechtsberatung.

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Für Agenturen

Die Liste ist der Anfang, der Bericht das Ende. Wir prüfen die Website Ihres Kunden white-label nach WCAG 2.2 AA und liefern Bericht und Umsetzung in Ihrem Branding, zum Fixpreis.

Weiterlesen

  1. European Accessibility Act: die EU-Richtlinie 2019/882Der European Accessibility Act (RL 2019/882) verpflichtet alle EU-Staaten seit 28. Juni 2025 zu einheitlichen Barrierefreiheitsanforderungen für Produkte und Dienstleistungen. BaFG und BFSG setzen ihn um.
  2. Leitfaden für Agenturen: Kunden beraten, white-label prüfenAgenturen haften nicht nach BaFG oder BFSG, ihre Kunden schon. Wer das Thema früh anspricht, sauber vertraglich regelt und die Umsetzung white-label einkauft, verkauft Sicherheit statt Stunden.
  3. Barrierefreie Website in Liechtenstein: BGlG und EAAStand 30. Oktober 2026 ist der European Accessibility Act in Liechtenstein nicht umgesetzt. Öffentliche Stellen müssen ihre Websites nach dem BGlG barrierefrei machen, für Private gilt das Diskriminierungsverbot.

Quellen

  1. WebAIM, The WebAIM Million 2026: An annual accessibility analysis of the top 1,000,000 home pages · abgerufen am 28.10.2026
  2. W3C WAI, What's New in WCAG 2.2 · abgerufen am 28.10.2026
  3. W3C WAI, Understanding Success Criterion 1.4.3 Contrast (Minimum) · abgerufen am 28.10.2026
  4. W3C WAI, WCAG-EM Overview: Website Accessibility Conformance Evaluation Methodology · abgerufen am 28.10.2026
  5. RIS, Barrierefreiheitsgesetz (BaFG), BGBl. I Nr. 76/2023, § 14 Pflichten der Dienstleistungserbringer · abgerufen am 28.10.2026
  6. W3C WAI, Understanding Success Criterion 1.4.4 Resize Text · abgerufen am 28.10.2026
  7. W3C, Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.2, W3C Recommendation (Nummern und Stufen der Erfolgskriterien) · abgerufen am 28.10.2026

Recherchiert mit KI-Unterstützung, mit Quellen belegt und inhaltlich geprüft von Mike Joerihsen am .

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